Strategische Autonomie der EU

In der Zeitung für Deutschland, manche nennen sie auch die Zeitung für den ordnungspolitischen Schrebergarten, findet man gelegentlich auch kluge, unideologische Gedanken:

„Wirtschaftspolitik ist eher eine deutsche Domäne als das Militärische, wo Berlin eine ‚Kultur der Zurückhaltung‘ pflegt. Doch auch in Ausbau der EU zu einer wirtschaftlichen Führungsmacht konfrontiert Berlin mit Zielkonflikten. So könnte der Euro vom zunehmenden Verdruss über die Vormacht des Dollars profitieren, welche die Amerikaner mit ihrer Sanktionspolitik immer aggressiver ausnutzen. Allerdings sind die Zweifel an der Stabilität des Euros seit der Schuldenkrise nie verschwunden. Aus Sicht vieler Investoren liegt das nicht zuletzt an Deutschland und dessen Ablehnung gemeinsamer Anleihen oder einer echten Bankenunion. Und selbst wenn es gelänge, den Euro stärker als globales Zahlungsmittel und Reservewährung zu etablieren, so würde er wohl kräftig aufwerten – und dadurch die deutsche Exportwirtschaft dämpfen.“

Andreas Ross, Fragen des Schicksals. Deutschland muss für strategische Autonomie der EU werben – und heikle Entscheidungen fällen. In: FAZ, 6. Februar 2019.